Agil um jeden Preis?

Geht es Ihnen auch so? Egal, wo man hinschaut, man bekommt das Gefühl, man müsse entweder jetzt gleich das ganze Unternehmen umkrempeln, oder es werde in naher Zukunft nicht mehr wettbewerbsfähig sein.

Nicht alles ist gut, nur weil es neu ist

Change ist in aller Munde, dann auch noch Agilität, Digitalisierung, am besten alles nach Scrum und das in Verbindung mit Führung auf Distanz. Während die meisten dieser Begrifflichkeiten nur von den Wenigsten überhaupt mit Inhalt und Bedeutung gefüllt werden können, kann sich dennoch kaum einer gegen den gefühlten Druck wehren, jetzt schnell aktiv werden zu müssen, bevor die Industrie 4.0 einen überrollt und die Disruption gnadenlos zuschlägt.

Schon mahnen die ersten Stimmen zur Ruhe: Es ist nicht alles gut, nur weil es neu ist.

Agilität mit Bedacht

Change? Ja. Aber sicher nicht um des Changes Willen. Agilität? Auch sie kann viel helfen, will aber mit Bedacht betrachtet und eingesetzt werden. Vergessen wir nicht, Agilität ist letztlich ein Buzz-Word, das versucht, bestimmte Eigenschaften eines Unternehmens zu beschreiben. Tatsächlich sind Vorgehensweisen, die heute als agil bezeichnet werden, oft schon sehr alt. (Vergleiche hierzu „Auf Spurensuche nach Agilität im öffentlichen Dienst“ , ein Blogbeitrag beim Fraunhofer IAO).

Agiles Mindset versus Scrum

Ob sich eine Organisation agil verhält, hängt in hohem Maße vom Mindset der Mitarbeiter und von der gelebten Kultur ab. Und eher weniger von „agilen Methoden“ wie Scrum. Agilität als solches kommt nicht aus Stand-Up-Meetings, Sprints und Backlogs – sondern eher aus der Freiheit, Fähigkeit und Bereitschaft der Mitarbeiter, sich zumindest ein stückweit selbst zu führen und zu organisieren.

Ebenso bedeutet „agil sein“, dass Prozesse und Vorgehensweisen nicht in Stein gemeißelt werden, sondern kontinuierlich reflektiert und verbessert werden. Als konkrete Maßnahmen hierzu dienen

  • Kontinuierliche Reflektion von Maßnahmen und Ergebnissen
  • Eine Lessons-Learned-Routine
  • Eine positive und konstruktive Fehler-Kultur
  • Im „daily doing“ Ziele definieren statt Aufgaben verteilen.

Zu guter Letzt: Zu einer agilen Organisation gehört nicht nur Flexibilität sondern auch Stabilität. Es gilt also auch, die Elemente zu identifizieren, die besser nicht verändert werden sollten…

 

 

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Sabine Fuelber

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1 Kommentar

    • Hannes Horn

      Schön geschrieben und auf den Punkt gebracht! Und in der Tat, der Grundsatz ist: Ist mein Geschäftsmodell (also meine Lösung) noch kundentauglich und wirft Gewinne ab? Dann bloß die Finger weg vom Wahnsinn „agiler-Methoden-Einführung“. Oder gibt es in der Tat Anzeichen, dass mein Geschäftsmodell doch eher nicht von Dauer sein wird? Dann sollten Sie genauer hinschauen, was es mit dem agilen Mindset und den Methoden so auf sich hat… Denn die Phase der Exploration neuer Geschäftsmodelle verändert sich tatsächlich gerade grundlegend. Und damit auch das Leadership in Organisationen. Weg von umfangreichen Marktanalysen, langer Planung und perfekter Strategie, hin zu einem frühzeitigen Testen scheinbar hypothensgestützter Validierung und iterativer Umsetzung einer scheinbar guten Idee.

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